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Was ist Tacit Knowledge? Definition und Bedeutung
Tacit Knowledge umfasst das persönliche, intuitive Wissen, das Menschen durch praktische Erfahrungen und soziale Interaktionen erwerben. Es unterscheidet sich von explizitem Wissen, das klar dokumentiert und leicht weitergegeben werden kann, wie zum Beispiel in Handbüchern oder Schulungen.
Der englische Begriff geht auf den Philosophen Michael Polanyi zurück, der in den 1950er-Jahren beschrieb, dass Menschen mehr wissen, als sie sagen können. Auf Deutsch spricht man von implizitem Wissen, gelegentlich auch von stillem oder verborgenem Wissen. Beide Begriffe meinen dasselbe. Wer Fahrrad fahren kann, könnte einem Kind nicht erklären, wie das Gleichgewicht funktioniert, und kann es trotzdem. Genau dieses Können steckt in Unternehmen in Tausenden kleiner Arbeitsroutinen: wie ein Monteur am Geräusch hört, dass eine Maschine bald ausfällt, oder wie eine Sachbearbeiterin weiß, bei welchem Kunden man vor dem Angebot besser anruft.
Herausforderungen bei der Nutzung von implizitem Wissen
Implizites Wissen ist schwer zu erfassen und zu dokumentieren, da es oft in Form von Fähigkeiten, Intuition oder sozialen Kompetenzen vorliegt. Mitarbeitende handeln dabei oft intuitiv, ohne genau beschreiben zu können, wie sie ihre Aufgaben ausführen. Dieses unbewusste Können macht Tacit Knowledge besonders wertvoll, da es häufig den Unterschied zwischen durchschnittlicher und herausragender Leistung ausmacht.
Unternehmen stehen vor der Herausforderung, dieses Wissen zugänglich zu machen, indem sie es in explizites Wissen überführen, beispielsweise durch Beobachtung, Feedback oder gezielte Schulungen. Ohne solche Maßnahmen besteht das Risiko, dass dieses wertvolle Wissen verloren geht, wenn Mitarbeitende das Unternehmen verlassen. Mit durchdachten Strategien zur Mitarbeitergewinnung, wie sie etwa beim Social Media Recruiting genutzt werden, können Unternehmen neue Talente finden, die bereit sind, sich aktiv in Wissensaustauschprozesse einzubringen und so langfristig zur Weitergabe von Know-how beitragen.
Für den Übergang von implizitem zu explizitem Wissen hat sich das SECI-Modell von Nonaka und Takeuchi durchgesetzt. Es beschreibt vier Schritte: Sozialisation (Wissen wandert durch gemeinsames Arbeiten von Person zu Person), Externalisierung (das Können wird in Sprache, Bilder oder Regeln übersetzt), Kombination (das Dokumentierte wird mit anderem Wissen verknüpft) und Internalisierung (Kolleginnen und Kollegen machen es sich durch Anwendung wieder zu eigen). Der schwierigste Schritt ist die Externalisierung. Praktisch gelingt sie selten am Schreibtisch, sondern im Gespräch: Jemand beobachtet die Arbeit und fragt so lange nach, bis das Unausgesprochene benannt ist.
Tacit Knowledge in der Praxis: Beispiele
Implizites Wissen zeigt sich in verschiedenen Bereichen und ist oft schwer in Worte zu fassen:
- Führungskräfte verlassen sich auf ihre Intuition und unbewussten Fähigkeiten, um strategische Entscheidungen zu treffen. Dabei schöpfen sie aus Erfahrungen, die sie selbst nicht vollständig verbal beschreiben können.
- Vertriebsteams nutzen ihre langjährige Erfahrung, um Kundenbedürfnisse individuell zu verstehen und gezielt darauf einzugehen, oft ohne genau erklären zu können, wie sie zu diesen Erkenntnissen gelangen.
- Produktentwicklung profitiert von kreativen Lösungsansätzen, die sich nicht aus Lehrbüchern ableiten lassen, sondern aus einem tief verankerten Verständnis für Prozesse und innovative Ideen resultieren.
Strategien zur Nutzung von Tacit Knowledge
Unternehmen können durch gezielte Maßnahmen sicherstellen, dass implizites Wissen erfasst und weitergegeben wird. Dabei spielen individuelle Ansätze und der richtige Einsatz von Technologien eine entscheidende Rolle.
Mentoring-Programme: Erfahrungswissen weitergeben
Mentoring-Programme sind eine bewährte Methode, um das implizite Wissen erfahrener Mitarbeitender auf die nächste Generation zu übertragen. Durch regelmäßigen Austausch können Mentees von den praktischen Erfahrungen ihrer Mentorinnen und Mentoren profitieren. Damit das nicht im Kaffeeplausch endet, braucht es feste Termine, ein klares Thema pro Treffen und eine Laufzeit, die vorher festgelegt ist. Ergänzend liefert ein 360 Grad Feedback Hinweise darauf, welche Stärken eine erfahrene Person selbst gar nicht als Wissen wahrnimmt. Dies fördert nicht nur den Wissensaustausch, sondern auch die persönliche und berufliche Entwicklung beider Parteien.
Workshops und Shadowing: Lernen durch direkte Zusammenarbeit
Workshops bieten eine strukturierte Möglichkeit, implizites Wissen in einem Team oder einer Abteilung zugänglich zu machen. Ergänzend dazu ermöglicht Shadowing, also das Begleiten erfahrener Kolleginnen und Kollegen im Arbeitsalltag, ein direktes Lernen vor Ort. Diese Ansätze sind besonders effektiv in Berufen, bei denen praktische Fähigkeiten und Prozesse im Vordergrund stehen. Für neue Mitarbeitende zahlt sich Shadowing schon in den ersten Wochen aus, weil sie ungeschriebene Regeln mitbekommen, die in keiner Einarbeitungsmappe stehen. Wer solche Formate dauerhaft verankern will, ordnet sie der betrieblichen Weiterbildung zu und gibt ihnen damit Budget und Verbindlichkeit.
Technologieeinsatz: Kollaboration und Wissensmanagement fördern
Moderne digitale Plattformen und Tools unterstützen die Erfassung und Verbreitung von implizitem Wissen. Wissensdatenbanken, interne Kommunikationsplattformen und projektbezogene Tools ermöglichen es Mitarbeitenden, ihre Erkenntnisse und Erfahrungen festzuhalten und für andere zugänglich zu machen. Zusätzlich können Technologien wie künstliche Intelligenz und Datenanalysen genutzt werden, um wichtige Muster im Wissensaustausch zu erkennen.
Auch im Bereich der Personalbeschaffung kann die richtige Strategie entscheidend sein. Zum Beispiel kann eine kreative Stellenanzeige helfen, die passenden Mitarbeitenden zu finden, die implizites Wissen in ein Unternehmen einbringen und weiterentwickeln.
Wissenssicherung bei Austritt und Ruhestand
Am teuersten wird implizites Wissen dann, wenn es unangekündigt geht. Bei Kündigungen und anstehendem Ruhestand lohnt sich eine feste Routine: Wer übernimmt welche Aufgabe, welche Kunden und Lieferanten haben Eigenheiten, welche Sonderfälle tauchen einmal im Jahr auf und werden nirgends beschrieben? Eine Übergabephase, in der Nachfolge und ausscheidende Person einige Wochen parallel arbeiten, bringt mehr als jede Dokumentation im Nachgang. Planen Sie den Nachfolger früh ein, denn die Zeit zwischen Kündigung und letztem Arbeitstag ist der einzige Moment, in dem beide Seiten verfügbar sind. Wie hoch die Kosten einer zu spät besetzten Stelle ausfallen, lässt sich über die Cost of Vacancy berechnen.
Fazit
Tacit Knowledge ist ein wertvolles, aber schwer greifbares Gut, das Unternehmen durch gezielte Strategien besser nutzen können. Maßnahmen wie Mentoring, Schulungen und technologische Tools helfen, dieses Wissen für die Organisation verfügbar zu machen. Indem Unternehmen die Weitergabe von implizitem Wissen fördern, stärken sie nicht nur die Effizienz, sondern auch die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit ihrer Belegschaft.
[ AUTOR ]
Timo Taucherbeck
Performance Recruiting, HR Rocket GmbH
Timo Taucherbeck verstärkt seit September 2024 das Performance-Recruiting-Team von HR Rocket. 2026 schloss er sein Bachelorstudium ab. Neben Recruiting-Kampagnen verantwortet er redaktionell einen Großteil des HR-Glossars und hält über 130 Fachbegriffe rund um Personal, Recruiting und Arbeitsrecht aktuell.